Geteert und Gefedert
August 3rd, 2009 Von Jürgen Bohl • geteert und gefedert, schwarz weiß
Spricht man heute vom Teeren und Federn, so ist es metaphorisch gemeint. Dahinter steckt der Wunsch nach einer öffentlichen Ächtung und empfindlichen Bestrafung. Obgleich seit vielen Jahrzehnten nicht mehr eingesetzt, ist der Begriff – wahrscheinlich aufgrund seiner Bildhaftigkeit – nach wie vor sehr präsent. Die erste Erwähnung geht auf die Kreuzzüge um 1190 zurück. Im Mittelalter war das Teeren und Federn als Ächtungsstrafe durchaus üblich, in den seltensten Fällen ging ein Gerichtsurteil voraus. Im Amerika der Pionierzeit erlebte die Form der Bestrafung eine Blütezeit: Falschspieler, Betrüger und Verräter wurden von der aufgebrachten Menge bis zur Taille entkleidet, mit Teer übergossen oder eingerieben und mit Federn überschüttet bzw. darin gewälzt. Anfang des 20. Jahrhunderts kam das Teeren und Federn aus der Mode. Das könnte einerseits daran liegen, dass Kriminelle zunehmend resozialisiert wurden. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass die dazu notwendigen Utensilien immer seltener greifbar waren …

Heißer Teer auf nackter Haut: Material und Wirkung
Zum Einsatz kam meist Teer aus Fichtenholz, der zum Abdichten von Fässern, Dächern und Schiffen benötigt wurde. Ein schwarzes, zähflüssiges und übel riechendes Gemisch, das bei ca. 60º C schmolz und somit zu Verbrennungen 1. bis 2. Grades geführt haben dürfte. Die Folgen waren Rötungen und Schwellungen der Haut, Schmerzen und teilweise Blasenbildung. Die Federn blieben im klebrigen Teer hängen; manchmal dauerte es Tage bis zur vollständigen Reinigung. Alle Erscheinungen waren jedoch vollständig reversibel, so dass es zu keinen bleibenden Schäden kam.

„The victim had a lot less fun than his tormentors.“
(„Das Opfer hatte erheblich weniger Spaß als seine Peiniger“)
Das sollte beim Fotoshooting vermieden werden. Deshalb verwendete der „Peiniger“ in diesem Fall statt Teer das bekannte Aachener Pflümli, hergestellt aus Pflaumen, Säuerungsmittel, Zitronensäure und Gewürzen – und somit äußerst schmackhaft.
Mehr dazu unter www.geteert und gefedert.de
Text Christa Becker
Design Jürgen Bohl
Fotos Claus Dieter Geissler









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