Archiv für Januar, 2010

Außer Konkurrenz: Das Königin-Pastetchen-Rezept von Mama Bohl

Jedes Jahr kurz vor Weihnachten steht die Frage im Raum: Was gibt es Heilig Abend bei uns zu essen? Und die Antwort lautet immer: Königin-Pastetchen. Soweit ich mich erinnern kann, gab es nur zwei Mal etwas anderes, sonst immer das Hühner-Ragout mit vielen Kapern und Champignons in einer weißen Sahnesoße, gefüllt in warme Blätterteig-Pastetchen. Mama sagt immer, in kalten schmeckt das nicht, das habe sie mal in Belgien gegessen.

Ich freue mich schon jetzt, im Januar, auf die Königin-Pastetchen an Heilig Abend.

koeniginnenpastetchen_bohl

Königin-Pastetchen-Rezept:

Suppenhuhn kochen,
Fleisch abmachen, klein schneiden

Für die Soße:
Butter anschwitzen,
Mehl einstreuen,
mit Hühnerbrühe und Champignonsaft (aus der Dose) binden, bis eine dickflüssige Mehlschwitze entsteht.
Mit Sahne verfeinern,
mit Pfeffer, Salz, Muskatnuss und Maggi abschmecken,
Kapern, klein geschnittene Dosenchampignons und klein geschnittenes
Hühnerfleisch in die Soße geben und vermischen.

Pastetchen im Backofen erwärmen,
Ragout in Pastetchen füllen und servieren. Guten Appetit!

Rezept Johanna Bohl
Foto und Text Jürgen Bohl

Königin-Pastetchen

Mit guten Vorsätzen ins neue Jahr – dazu zählen auch neue Blog-Rubriken. Eine davon haben wir Heimatkunde genannt. Darin werden wir endlich einen langjährigen Plan umsetzen: Königin-Pastetchen in Köln zu testen. Also Monat für Monat durch ausgewählte Gaststätten ziehen, das eher altmodische Gericht bestellen – und anschließend bewerten. Vorab als Appetitanreger noch ein kurzer Blick auf unser westliches Nachbarland, das die gefüllten Blätterteig-Umhüllungen hervorgebracht hat:

Ihren Namen verdanken sie dem Hofkoch des französischen Königs Louis XV, der die Köstlichkeit Mitte des 18. Jahrhunderts für dessen Gattin Maria Leszczyńska kreierte und sie „bouchées à la reine“, also Königin-Pastetchen, nannte. Während sie in Deutschland heute vorwiegend als traditionelles Weihnachtsessen oder nur in klassischen Caféhäusern serviert werden, kämpfen im Elsass und in Lothringen namhafte Köche um eine Goldmedaille für die beste Zubereitung. Auch wir kämpfen, und zwar um den Erhalt der Pastetchen – und sind für Rezepte und Hinweise, wo es besonders leckere Varianten gibt, sehr dankbar.

Text Christa Becker
Gestaltung Jürgen Bohl

Alma

Pixar-Mitarbeiter Rodrigo Blaas veröffentlichte letztes Jahr seinen ersten eigenen Animationsfilm: Alma. Der wurde umgehend mit Preisen überhäuft ist derzeit noch im frei im Netz zu sehen. Wir haben ihn eher zufällig auf Vimeo gefunden. Die Qualität der Bilder ist so gut, dass der Vollbildmodus unbedingt empfehlenswert ist. Viel Spaß beim Schauen.

Alma – Season’s Greetings from Monkey Business on Vimeo.

Der Mops: Fast eine Liebeserklärung

Tokio15

Der Mops, der ist ein putzig Biest
er schnieft und schnauft und hechelt
bekommt fast keine Luft und niest
wird von der Welt belächelt.

Man sieht ihn manchmal in der Stadt
geführt an einer Leine
zur Freude dessen, der ihn hat
der Mops empfindet keine.

Er trottet launig durch die Welt
verflucht die tropfend Nase
er hat dies Unheil nicht bestellt
der Mensch hält ihn zum Spaße.

Der arme Kerl, er quält sich schlimm
und ist nicht zu beneiden
erduldet still mit tiefem Grimm
sein stark verschnupftes Leiden.

Doch freut er sich auch dann und wann
schaut Frauen unters Röckchen
bellt riesengroße Hunde an
und bringt zurück das Stöckchen.

Er stiehlt den Köchen mal ein Ei
und kann’s doch nicht verwenden
dann schlägt man ihn erzürnt zu Brei
der Mops will so nicht enden.

Viel lieber wär er kerngesund
mit freien Atemwegen
ein schöner, großer, edler Hund
dem Züchtergeist entgegen.

Doch Wunsch ist Wunsch und Mops ist Mops
da hilft kein frommes Bellen
ein kleiner, plumper Hundeklops
der kann sich nicht verstellen.

Drum bleibt ihm keine Möglichkeit
als weiterhin zu schmachten
und seines Schöpfers Findigkeit
mit Inbrunst zu verachten.

Der Mops an sich ist kein Ersatz
für Partnerschaft im Leben
im Hundekörbchen ist sein Platz
Gefühl kann er nicht geben.

Gedicht Philophobos
Foto Analogist/Franz Janusiewicz (Flickr)

Mehr zum Thema Mops:
Ottos Mops


Favela Ikea – die Eröffnung

Heute war der offizielle Empfang in der Ausstellung im Kunsthaus Rhenania. Grund genug, ein paar bewegte Bilder von der inoffiziellen Eröffnung am vergangenen Samstag zu zeigen.

Filmtipp

Letzten Dienstag haben wir uns im Kino den neuesten Film von Terry Gilliam angesehen: “Das Kabinett des Dr. Parnassus”. Absolut sehens- und empfehlenswert. Der Regisseur hat schon zu Monty-Python-Zeiten seiner Phantasie freien Lauf gelassen, besonders bei den kurzen Animationsfilmen. Einen davon – er beschreibt das Wunder des Fliegens – haben wir als “appetizer” ausgewählt. Mehr zur Bilderwelt von Terry Gilliam und einen wunderbaren Heath Ledger gibt es dann auf der großen Leinwand.

P.S.: Eine kurze Szene des Animationsfilms widmet sich übrigens auch dem Teeren und Federn.

Ottos Mops – Die Tonaufnahme

Und so klingt das gestern veröffentlichte Gedicht, wenn Ernst Jandl es selbst vorträgt:

Ottos Mops

Ottos Mops von Ernst Jandl

ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso

otto holt koks
otto holt obst
otto horcht
otto: mops mops
otto hofft

ottos mops klopft
otto: komm mops komm
ottos mops kommt
ottos mops kotzt
otto: ogottogott

(Hier gibt es auch die Tonaufnahme von Ernst Jandl.)

Das komplette Alphabet von Stefan Mosebach

Illustrationen Stefan Mosebach
Gestaltung Jürgen Bohl

„Favela Ikea“

Alljährlich locken während der Internationalen Möbel Messe in Köln die Passagen unzählige Besucher in die Domstadt. Deren Schwerpunkt liegt im Design – und manchmal auch in der Kunst. Zu letzterer zählt die Ausstellung „Favela Ikea“ von Axel Kreiser und CD Geissler im Rheinauhafen.

„Die Anmut der Armut“ – so beschreiben sie ihr gemeinsames Projekt, das aus Fotomontagen und einer Installation besteht. Im Mittelpunkt: Sperrmüll. Der war vorgestern noch modische Einrichtung und sollte gestern als „Brennstoff in die Müllverbrennung“ wandern. Stattdessen dient er heute vielfach Obdachlosen als provisorische „Heimstatt“. Ganze Siedlungen sind so entstanden, Favelas eben.

Die Motive für die Ausstellung fand der Fotograf CD Geissler beim Umherstreifen. Was achtlos vor Türen abgelagert wurde, nutzte er als Vorlage. Er lichtete ab, entwickelte in Schwarz-Weiß und entfernte vom Abzug „alles Überflüssige mit dem Skalpell“. Die Ergebnisse sind Kompositionen und Montagen „in bester Dada-Tradition“, wie er selbst betont.

„Favela Ikea“ wird im Kunsthaus Rhenania in der Bayenstraße 28 gezeigt. Die offizielle Eröffnung mit Empfang findet am 18. Januar zwischen 19 und 22 Uhr statt. An den darauf folgenden Tagen ist die Ausstellung von 12 – 20 Uhr (Di – Sa) und von 11 – 18 Uhr (So) geöffnet.


favela ikea Installation 01favela ikea Installation 03

favela ikea Installation 02Fotos Claus Dieter Geissler
Text Christa Becker

Slinkachu: Little People in the City

Seit 2006 durchstreift er die Straßen Londons, erstellt Szenen mit kleinen, selbstbemalten Figuren und fotografiert sie. Anfangs nur aus dokumentarischen Gründen, mittlerweile mit einer Profikamera. Anfangs versandte er die Fotos an Freunde und veröffentlichte sie in einem eigenen Blog, mittlerweile reißen sich Galerien und Verlage um die Bilder des 30-jährigen Streetart-Künstlers.

Der Edward-Hopper-Fan und “Erzähler dreidimensionaler Geschichten” fotografiert am liebsten morgens, wenn es ruhig ist. Um seine Szenen einzufangen, liegt er dann flach auf dem Boden. Wenn Slinkachu fertig ist, bleiben seine Miniatur-Installationen an Ort und Stelle. Und werden – trotz großer medialer Aufmerksamkeit – im Original zumeist noch immer übersehen.

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