Archiv für September, 2009
Lachen am Rande des Abgrunds?
September 29th, 2009 • schwarz weiß
Tags: Abgrund, Axel Hacke, böse Witze und Geschichten, Geschmackssache, schwarz weiß, Schwarzer Humor, Wumbaba
Der eine lacht, der andere ist empört – so lässt sich die Wirkung des Schwarzen Humors bezeichnen. Doch wie definiert man ihn? Stellt er Verbrechen, Krankheit oder Tod in paradoxen Bezügen verharmlosend dar? Behandelt er also ernste oder makabre Themen in satirischer, ironischer oder grotesker Weise? Hat er eine Entlastungsfunktion, indem man sich über etwas amüsiert, das sonst mit Tabus belegt ist oder Angst und Schrecken verursacht? Entspricht er einer Denkstruktur, die die Normalität von einer abseits liegenden Perspektive betrachtet?
Ganz ehrlich, wen interessiert das? Die Hauptsache ist doch, es gibt etwas zu lachen. Zwar nicht für jeden, schließlich sind die Geschmäcker verschieden. Doch wie hieß es schon zu Zeiten des „alten Fritz“: Lieber einen guten Freund verloren als einen guten Witz unterdrückt.
Deshalb haben wir eine sehr persönliche Mischung aus dem Bereich des Schwarzen Humors zusammengestellt. Die kurzen Dialoge, Witze und Geschichten haben eines gemeinsam: Wir konnten darüber lachen!
P.S.: Gäbe es einen „Weißen Humor“, so wäre eine Geschichte aus dem „Kleinen Handbuch des Verhörens“ von Axel Hacke und Michael Sowa (Kunstmann Verlag, 2004, S.12.) dafür das beste Beispiel: Nach einer Lesung wird Hacke von einem Herrn angesprochen, der ihm seine Version zu dem bekannten Gedicht (und Volksliedtext) von Matthias Claudius’ „Der Mond ist aufgegangen“ zitiert.
Das Original:
Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.
Das „Verhörte“:
Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus dem Wiesen steiget
der weiße Neger Wumbaba.
Und nun zum Schwarzen Humor:
Letzte Worte …
… des Metzgers: „Wirf mir mal das große Messer rüber.“
… der Prostituierten: „Ach, ist der niedlich!“
… der Challenger-Crew: „Lasst mal die Frau ans Steuer!“
Bei einem Unfall im Sägewerk verliert ein Mann alle 10 Finger. Mit letzter Kraft schleppt er sich ins nächstgelegene Krankenhaus. Der Arzt fragt: „Haben Sie denn Ihre Finger mitgebracht?“ Darauf zuckt der Mann nur mit den Achseln. Der Arzt bedrängt ihn weiter: „Sie müssen doch die Finger mitbringen. Nach dem heutigen Stand der Medizin könnten wir sie doch direkt wieder annähen.“ Darauf endlich die Antwort: „Ich konnte sie nicht aufsammeln!“
„Herr Doktor, ich habe einen Knoten in der Brust.“ „Mein Gott, wer macht denn so was!“
„Woran ist denn Ihr Mann gestorben?“ „An Grippe.“ „Na, dann war es ja glücklicherweise nichts Ernstes.“
„Herr Doktor, der Simulant von Zimmer 7 ist gestorben.“ „Also jetzt übertreibt er aber wirklich!“
Zwei Schwaben auf Bergwanderung. Plötzlich stürzen sie ab in eine Gletscherspalte. Ca. 1 Stunde später nahen die Retter. Die rufen den Unfallopfern zu: „Hier ist das Deutsche Rote Kreuz.“ Tönt von unten die Antwort: „Mir gebet nix!“
VORSCHLÄGE FÜR TODESANZEIGEN ODER GRABSTEINE:
DIE PUTZFRAU: Sie kehrt nie wieder.
DER ZAHNARZT: Er hinterlässt eine schmerzliche Lücke.
DOLLY BUSTER: Sie ist abgenippelt.
Es klingelt an der Haustür, ein kleines Mädchen öffnet. Der Besucher erklärt: „Wir sammeln für das Waisenhaus.“ Das Mädchen nickt und geht zurück ins Haus. Von innen ertönen zwei Schüsse. Dann kommt die Kleine wieder zur Tür und sagt: „So Onkel, jetzt kannst du mich mitnehmen.“
Steward zum Kapitän: „Wir haben einen blinden Passagier an Bord.“ Kapitän: „Sofort über Bord werfen.“ Es vergehen 10 Minuten. Der Steward kehrt zurück: „Und was machen wir jetzt mit dem Hund?“
Ein Jäger zum anderen: „Ich habe Ihre Frau getroffen.“ Dessen Antwort: „Waidmannsdank.“
„Mama, ich bin jetzt 14. Darf ich jetzt endlich einen BH tragen?“„Nein, Manfred!“
Sammlung Christa Becker und Jürgen Bohl
Text Christa Becker
Gestaltung Jürgen Bohl
A Last Goodbye to Harpo Marx
September 28th, 2009 • Goodbye
Tags: Duck Soup, gestorben, Goodbye, Groucho Marx, Marx Brothers, Spiegel
Vor exakt 45 Jahren starb Adolph Arthur Marx, der als “Stummfilmstar der Tonfilmära” bekannt wurde. Seinen späteren Vornamen “Harpo” verdankt er dem Harfenspiel (engl. harp), das er sich selbst beigebracht hatte. Der Pantomime, Schauspieler und Entertainer agierte stets wortlos, seine Ausdrucksmittel waren – neben Gestik und Mimik – das Pfeifen und Hupen. Kurz vor seinem Tod veröffentlichte er unter dem Titel “Harpo speaks!” seine Autobiografie. Er starb im Alter von 75 Jahren an den Folgen einer Herzoperation. Als kleine Erinnerung an den begnadeten Darsteller zwei Szenen aus “Duck Soup”:
Und hier noch die berühmte Spiegelszene, in der die drei Marx Brothers Groucho, Harpo und Chico gemeinsam auftreten:
Fehlbare Unfehlbarkeit
September 26th, 2009 • Irren
Tags: Eitelkeit, Genauigkeit, Irren, Martin Wolkner, Richtigkeit, Zielerlangung
Ich war meiner Richtigkeit sicher,
befand mich doch immer im Recht,
gewiss sah ich die Welt im klaren Licht
– und fehlte doch.
In großer Mühe um Genauigkeit,
fristgerechter Zielerlangung
und objektiver Sachlichkeit
– vergaß ich ein Stück zu leben.
Im Spiegel meiner Umwelt
wollte ich mich selbst erschaffen
zu einer strahlendschönen Kreatur
– und blendete mich mit Eitelkeit.
Demontiert vom wahren Wort
des falschgeglaubten Freundes
verlor ich gewiss die letzte Gunst
– und wurde eines Besseren belehrt.
Text Martin Wolkner
Fotos gideon koh (flickr.com)
Gestaltung Jürgen Bohl
VOODOO
September 24th, 2009 • schwarz weiß
Tags: Magie, Naturreligion, schwarz weiß, Voodoo, Zauberei

Voodoo ist schwarz. Zumindest für die meisten Europäer und Nordamerikaner. Es ist eine Naturreligion, die wahrscheinlich schon vor mehreren Tausend Jahren in Afrika entstand und die durch den Sklavenhandel nach Amerika gelangte. In Haiti ist sie heute offiziell anerkannt und im schwarzafrikanischem Benin sogar Staatsreligion. Ihre Magie wird mit Rachezauber und Zombies ebenso in Verbindung gebracht wie mit Tieropfern und Totenkult. Am bekanntesten sind die Puppen, die aus Stoff, Wachs, Lehm oder Holz gefertigt und mit persönlichen Accessoires eines Menschen ausgestattet werden, um ihm – durch Einsatz schwarzer Nadeln – Schmerzen und Schaden zuzufügen.
Voodoo ist auch weiß. Ebenso weiß wie die Köpfe der Nadeln, die – eingesetzt bei denselben Puppen – Heilung bewirken oder ein glücklicheres Leben bescheren. Den Rada-Loas, guten Gottheiten und spirituellen Führern, werden Öle, Früchte und Blüten geopfert. Hilfsbedürftige wenden sich an die Houngans und Mambos: Weißmagier mit einem engen Kontakt zu allmächtigen und übernatürlichen Wesen. Besessenheit ist im Voodoo keine geistige Krankheit, sondern eine rituelle Vereinigung mit den Göttern in einem Zustand der Trance.
Dass Voodoo für viele weiße Menschen die Aura einer schwarze Magie hat, liegt in seiner Geschichte: Es war der Schutzschild der Sklaven, und ihre Machthaber fürchteten die afrikanischen Mythen, Geister und Dämonen. Die Furcht ist geblieben, obwohl die Naturreligion im Laufe ihrer Entwicklung stark vom Einfluss des Christentums oder des Islams geprägt wurde und viele ihrer Elemente übernommen hat.
Mehr zu Voodoo im Artikel: Sebastions Voodoo
Text Christa Becker
Foto Frau Lueders
Gestaltung Jürgen Bohl
Wanderer, kommst du nach Lissabon, so bestätige dorten, du habest uns liegen gesehen …
September 23rd, 2009 • Goodbye
Tags: Cementéiro dos Prazeres, Friedhof, Goodbye, Lissabon
Er ist schon etwas ganz Besonderes: der Cementéiro dos Prazeres im Herzen von Lissabon. Nicht nur aufgrund seiner Größe von 110.000 qm. Nicht nur durch seine 73 Straßen, die ihm den Charakter einer kleinen Stadt verleihen. Nicht nur durch die pompöse und doch zugleich liebevolle Architektur.
Seine größte Besonderheit sind die mit Fenstern versehenen Türen in den Monumenten der Toten. Eintritte und Einblicke in kleine „Wohnräume“, in denen – neben den in Nischen untergebrachten Särgen – Tische und Hocker, gerahmte Bilder oder Vasen zu finden sind. Die sehr private Idylle für das Leben nach dem Tod.
Dazu passt sein Name: Friedhof der Vergnügungen. Den verdankt er allerdings seinem „Vorgänger“, einem Park für die Freizeitgestaltung der Anwohner. Davon ist heute wenig zu spüren, denn die Atmosphäre der Vergänglichkeit lockt nur wenige an, in dieses bizarre Reich mit seiner fast schon überirdischen Schönheit einzutauchen.
Wer es dennoch wagen möchte, der nehme die Tram 28 und fahre mit ihr bis zur Endhaltestelle.
Text und Fotos Christa Becker
Gestaltung Jürgen Bohl
FREITOD
September 21st, 2009 • November
Tags: Jürgen W. Möllemann, November, Strangulierung, Suizid, Tod
Wir alle haben Angst vor dem Sterben. Was aber ist, wenn die Angst vor dem Leben plötzlich überwiegt? Wenn der Tod als die bessere Alternative erscheint? Will man dann wirklich sterben – oder nur so wie bisher nicht weiterleben? Und ist ein Ziel wie „Ruhe und Frieden finden“ nicht eigentlich ein höchst lebendiges Ziel?
Die Liste derer, die sich aus freien Stücken für den Tod entschieden, ist schier endlos. Zu den Berühmtheiten zählen der römische Despot Nero, der seine Aberkennung als Kaiser und Anerkennung als Staatsfeind nicht verwand und der sich mit einem Dolch in die Kehle stach. Die ägyptische Königin Kleopatra, die den Biss einer Kobra als Todesart wählte, als ihre Verführungskünste versagten. Heinrich von Kleist, der sich schriftstellerisch und wirtschaftlich am Ende fühlte und der zuerst seine an Krebs erkrankte Geliebte erschoss und dann sich selbst. Vincent van Gogh erlöste sich mit einem Pistolenschuss von einer tiefen, lange andauernden Depression. Kurt Tucholsky und Stefan Zweig nannten als Gründe die Verzweiflung über die politische Situation Deutschlands unter den Nazis, als sie eine Überdosis Tabletten zu sich nahmen.
Aufgrund ihrer Angst, geisteskrank zu werden, ertränkte sich die englische Schriftstellerin Virginia Woolf in einem Fluss. Spektakulär war der Abgang des F.D.P.-Politikers Jürgen W. Möllemann, der seinen Absturz nach einem politischen Höhenflug wortwörtlich in die Tat umsetzte.
„Alle 47 Minuten ein Selbstmord“ verkündete vor wenigen Wochen die Initiativgruppe Nationales Suizid Präventionsprogramm. 2004 wurden in Deutschland 10.733 Suizide gemeldet: 7.939 Männer und 2.794 Frauen wählten den Freitod. Bei den Todesarten gab es klare Präferenzen. So entschieden sich – nach Angaben des Statistischen Bundesamtes – im Jahr zuvor von 11.150 Personen für…
Erhängen, Strangulierung oder Ersticken 5.538
Sturz in die Tiefe 1.100
Selbstvergiftung 1.293
Feuerwaffe/Schusswaffen 835
Sich vor ein bewegtes Objekt werfen oder legen 556
Ertrinken und Untergehen 356
Scharfen Gegenstand 342
Ersticken durch Gase und Dämpfe 216
(Die restlichen 914 wählten diverse weitere Todesarten, die nicht im Einzelnen aufgelistet wurden.)
Männer bilden nicht nur die weitaus größere Gruppe unter den Suizidenten, sie sind auch erfolgreicher. Bei den Frauen, besonders bei den jüngeren, überwiegen die Versuche. Wobei offizielle Stellen davon ausgehen, dass – quer durch alle Altersgruppen und bezogen auf beide Geschlechter – circa jeder zehnte Suizidversuch „erfolgreich“ und somit tödlich endet.
Text Christa Becker
Gestaltung Jürgen Bohl
Fotos FABSN (photocase.de)
FREITOD – Für den eiligen Selbstmörder
September 21st, 2009 • November
Tags: Abschiedsbrief, November, Selbstmörder
Für den eiligen Selbstmörder:
Keine Zeit mehr für den Abschiedsbrief, weil …
der Zug heute keine Verspätung hat
die Garage schon ziemlich vernebelt aussieht
die ersten 100 Tabletten müde machen
der Hocker wackelt und der Strick sich langsam zuzieht
die offene Pulsader mehr spritzt als vermutet
das Benzin nur noch für eine Kurve ausreicht
die Tinte im Wasser total verschmiert
die Fallschirmleine beim Schreiben im Weg ist
die Schrift durch die Kälte total verwackelt
_________________________________
(Platz für weitere Gründe)
Das magazinXY schafft Abhilfe. Einfach das vorliegende Formblatt ausdrucken, Zutreffendes ankreuzen oder Unzutreffendes streichen und an auffindbarer Stelle für die Nachkommen hinterlegen.

Abschiedsbrief
Liebe/r _________________! (bei personalisiertem Schreiben Namen einsetzen, sonst:) Liebe Eltern/Kinder/Enkel/Verwandte/Freunde/Lehrer/Kollegen!
Wenn Du/Ihr dieses Schreiben findest/findet, bin ich schon tot. Die genaue Todesursache erfährst Du/erfahrt Ihr vom Pathologen/Leichenbestatter. Sicherlich wirst Du Dich/werdet Ihr Euch fragen, warum ich mich umgebracht habe.
Das will ich Dir/Euch gerne erklären: Ich bin aus dem Leben geschieden, weil …
Du Dich/Ihr Euch zu viel/zu wenig um mich gekümmert hast/habt
Du mich verlassen/nicht verlassen hast
die 6 in Mathe/Bio/Englisch/Reli/Kunst __________________eine echte Gemeinheit war
mir das Mobbing am Arbeitsplatz echt zu viel wurde
Pamela Andersen/Hugh Grant/Jan Ullrich geheiratet hat – aber nicht mich
ich als Erntehelfer/Spargelstecher/1-Euro-Jobber keinerlei Aufstiegschancen mehr hatte
meine Drogen mir gefehlt haben/mir zu viel wurden
mein Börsenmakler/Therapeut/Dr. Sommer mir dazu geraten hat
ich keine Karten mehr für Tokio Hotel/Florian Silbereisen/Rolling Stones _____________________________ bekommen habe
Bayern/Kaiserslautern/Köln/St. Pauli _________________ schon wieder verloren hat
ganz andere Begründung, nämlich _________________________________________
Keinesfalls/Zu 100 Prozent liegt die Schuld an meinem Tod bei Dir/Euch. Deshalb solltest Du/solltet Ihr in den nächsten Tagen/Wochen/Monaten/Jahren
manchmal/oft/ständig an mich denken und um mich trauern
mich möglichst rasch vergessen
Ich wünsche Dir/Euch weiterhin ein schönes/langweiliges/schreckliches Leben.
_____________________________ (Unterschrift keinesfalls vergessen)
• Abschiedsbief zum Ausdrucken (Acrobat Reader)
Text Christa Becker
Gestaltung Jürgen Bohl
Fotos FABSN (photocase.de)
Musik in schwarz+weiß
September 20th, 2009 • schwarz weiß
Tags: Alexandra, Bata Illic, Bushido, Creme de la Creme, EAV, Gitte Henning, Heino, Lale Andersen, Manuela, Marius Müller-Westernhagen, Nana Mouskouri, Niko, Oomph!, Rammstein, Roy Black, schwarz weiß, Tokio Hotel, Toten Hosen, Wolfgang Ambros
Foto Elena Anna Rieser
Auswahl Jürgen Bohl
Gestaltung Jürgen Bohl
SCHWARZ
Weiß
Schwarz+Weiß-Gebäck
September 19th, 2009 • schwarz weiß
Tags: Gebäck, Rezept, schwarz weiß, Schwarz-Weiß-Gebäck
Zutaten:
400 gr. Mehl, 1 Teelöffel Backpulver
150 gr. Puderzucker, Prise Salz
Vanillezucker (1 Päckchen),
300 gr. Butter, 40 gr. Kakaopulver, 1 Eigelb,
Milch
Mehl, Backpulver, Puderzucker, Salz, Vanillezucker und Butter gut verkneten.
Teigmenge halbieren.
Zu einer Hälfte den Kakao geben und gut verkneten.
Aus den beiden Teighälften schwarze und weiße Kugeln formen.
Diese im Kühlschrank etwa 2 Stunden kühlen.
Kugeln aus dem Kühlschrank nehmen und je nach Muster verarbeiten.
Als Bindemittel der beiden Schichten verwendet man Eigelb mit etwas
Milch verrührt.
Beim Backen genügend Abstand zwischen den Plätzchen lassen.
Auf Backpapier legen und im vorgeheizten Ofen (180 Grad)
etwa 10 – 14 Minuten backen.
Nicht zu dunkel backen.
Rezept + Gebäck Hildegard Berthold
Foto Claus Dieter Geissler
Gestaltung Jürgen Bohl
Das Papier mit Pinselkraft durchdringen: Die Tuscharbeiten des René Böll
September 13th, 2009 • schwarz weiß
Tags: schwarz weiß
„Tiefschwarz bis hellgrau, hell und dunkel, nass und trocken, weich und hart, glatt und zerklüftet (…) Das Konkrete wird abstrakt, das Abstrakte wird konkret. Weitblick und Nahblick treffen sich, verschmelzen im unendlichen Raum des weißen Xuan-Papiers.“
So beschreibt die Sinologin und Verlegerin Anne Engelhardt-Ng die Arbeiten des Kölner Künstlers René Böll, der seit 1972 die Materialien Reispapier (so der europäische Begriff) und asiatische Tusche in höchst eigener Weise miteinander verbindet. Anfangs – nach eigenen Angaben – eher unbeholfen.
Doch die Beschäftigung mit der chinesischen Philosophie, das Interesse an deren großer Maltradition und die zahlreichen Begegnungen mit den Künstlern dieses Kulturraums veränderten ihn, prägten ihn. Vermittelten ihm, dass Zeit ein relativer Begriff ist. Dass Qi (frei übersetzt mit Kraft/Energie) seinen eigenen Lauf hat. Und dass schwarze Tusche Licht und Farbe erzeugen kann.
Heute spielt René Böll mit den Wellen des feuchten Papiers ebenso wie er mit trockener Technik Kanten und Risse erzeugt. Es ist gerade das Miteinander von sanften und scharfen Elementen, von Bewegung und Ruhe, von Yin und Yang, das seine Arbeiten kennzeichnet. Und es ist die jahrzehntelange Übung, die ihn vorab wissen lässt, wie das Ergebnis aussieht. Vielmehr, wie es aussehen könnte, denn ein „gutes Ende“ ist nie gewährleistet. Die Tuschmalerei, die als Vollendung der chinesischen Kunst gilt, gibt jedem Bild, jedem Pinselstrich nur eine Chance. Korrekturen sind unmöglich. René Böll spricht selbst von „70 Prozent Ausschuss“.
Die verbleibenden 30 Prozent haben ihn nicht nur in Europa, sondern auch in China zu einem anerkannten Maler gemacht: Bei einer Ausstellung in Shenyen war er unter 200 Künstlern der einzige aus einem anderen Kulturkreis.
Text Christa Becker
Fotos Claus Dieter Geissler
Gestaltung Jürgen Bohl

















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