Archiv für Irren

Auf dem Jahrmarkt

Geisterbahn

Irren auf Schienen – in absurden Fahrzeugen – quer durch die Dunkelheit. Vorbei an rostigen Ketten, die alles zusammen halten. Veraltete Zahnräder, die ineinander greifen und den Irrsinn antreiben, aufgemalte Totenköpfe, die einen anstarren, baumelnde Puppenhände, die im Fahrtwind zu winken scheinen. Undefinierbarer Unsinn aus vergangenen Zeiten.

Auf und ab im Sekundentakt, schäbige Requisiten werden im Eiltempo zur Attraktion und verschwinden wieder. Ein Konstrukt aus Metall, gehalten von Holzbalken, ein Knarren und Knattern, geistige Verwirrung auf engstem Raum. Die Geisterbahn.

Fotocollage und Text Jürgen Bohl

Auf dem Jahrmarkt – Das Making-of

Eine Geisterbahn als Fotocollage: Was hier in 20 Sekunden abläuft, dauerte in der Entstehtung mehrere Tage. Schienen legen und mit Ketten verbinden, Totenköpfe aufmalen, Puppenarme aufhänge, Kisten, Rohre, Zahnräder und undefinierbaren Unsinn positionieren. Dann ein “Dreck-Filter”, hier und da noch etwas Rost und zum Schluss alles mystisch abdunkeln. Die Geisterbahn war fertig.

Film Jürgen Bohl

Mehr Geisterbahn unter:
Auf dem Jahrmarkt


Der Mops: Fast eine Liebeserklärung

Tokio15

Der Mops, der ist ein putzig Biest
er schnieft und schnauft und hechelt
bekommt fast keine Luft und niest
wird von der Welt belächelt.

Man sieht ihn manchmal in der Stadt
geführt an einer Leine
zur Freude dessen, der ihn hat
der Mops empfindet keine.

Er trottet launig durch die Welt
verflucht die tropfend Nase
er hat dies Unheil nicht bestellt
der Mensch hält ihn zum Spaße.

Der arme Kerl, er quält sich schlimm
und ist nicht zu beneiden
erduldet still mit tiefem Grimm
sein stark verschnupftes Leiden.

Doch freut er sich auch dann und wann
schaut Frauen unters Röckchen
bellt riesengroße Hunde an
und bringt zurück das Stöckchen.

Er stiehlt den Köchen mal ein Ei
und kann’s doch nicht verwenden
dann schlägt man ihn erzürnt zu Brei
der Mops will so nicht enden.

Viel lieber wär er kerngesund
mit freien Atemwegen
ein schöner, großer, edler Hund
dem Züchtergeist entgegen.

Doch Wunsch ist Wunsch und Mops ist Mops
da hilft kein frommes Bellen
ein kleiner, plumper Hundeklops
der kann sich nicht verstellen.

Drum bleibt ihm keine Möglichkeit
als weiterhin zu schmachten
und seines Schöpfers Findigkeit
mit Inbrunst zu verachten.

Der Mops an sich ist kein Ersatz
für Partnerschaft im Leben
im Hundekörbchen ist sein Platz
Gefühl kann er nicht geben.

Gedicht Philophobos
Foto Analogist/Franz Janusiewicz (Flickr)

Mehr zum Thema Mops:
Ottos Mops


Filmtipp

Letzten Dienstag haben wir uns im Kino den neuesten Film von Terry Gilliam angesehen: “Das Kabinett des Dr. Parnassus”. Absolut sehens- und empfehlenswert. Der Regisseur hat schon zu Monty-Python-Zeiten seiner Phantasie freien Lauf gelassen, besonders bei den kurzen Animationsfilmen. Einen davon – er beschreibt das Wunder des Fliegens – haben wir als “appetizer” ausgewählt. Mehr zur Bilderwelt von Terry Gilliam und einen wunderbaren Heath Ledger gibt es dann auf der großen Leinwand.

P.S.: Eine kurze Szene des Animationsfilms widmet sich übrigens auch dem Teeren und Federn.

Ottos Mops – Die Tonaufnahme

Und so klingt das gestern veröffentlichte Gedicht, wenn Ernst Jandl es selbst vorträgt:

Ottos Mops

Ottos Mops von Ernst Jandl

ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso

otto holt koks
otto holt obst
otto horcht
otto: mops mops
otto hofft

ottos mops klopft
otto: komm mops komm
ottos mops kommt
ottos mops kotzt
otto: ogottogott

(Hier gibt es auch die Tonaufnahme von Ernst Jandl.)

Das komplette Alphabet von Stefan Mosebach

Illustrationen Stefan Mosebach
Gestaltung Jürgen Bohl

Dead Fly Art

Zugegeben, morbide Themen liegen uns einfach. Und so traf die Fotoserie, die uns per Mail erreichte, gleich auf einhellige Begeisterung. Recherchen ergaben, dass deren Urheber sich “Flychenangelo” nennt und aus Schweden stammt. Dass die kleinen Skizzen in weltweiten Blogs kontrovers diskutiert werden – mit der Fragestellung, ob es sich um Kunst, Stümperei oder nur etwas Ekliges handelt.

Wir hoffen einfach mal, dass irgendwo in Schweden der Urheber der Zeichnungen vor seinem PC sitzt, sich die diversen Diskussionsbeiträge mit einem breiten Grinsen anschaut, weiter tote Fliegen aufsammelt … und ihnen in bewährter Form ein Denkmal setzt!

Dead Fly ArtDead Fly Art Dead Fly ArtDead Fly ArtDead Fly ArtDead Fly ArtDead Fly ArtDead Fly Art

Quelle: http://cakeheadlovesevil.wordpress.com/2009/10/08/flychelangelo-dead-fly-art/

Das Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens

“Es irrt der Mensch, so lang er strebt” – diesen Gedanken aus Goethes Faust hat Bertolt  Brecht in seiner Dreigroschenoper in eine neue Form gebracht. Kurt Weill vertonte die Verse. Der Autor selbst sang sein “Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens” in unübertreffbarer Weise – mit viel Ironie und einem Hauch von Bitterkeit.

Der Mensch lebt durch den Kopf
der Kopf reicht ihm nicht aus.
Versuch es nur, von deinem Kopf
lebt höchstens eine Laus.
Denn für dieses Leben
ist der Mensch nicht schlau genug.
Niemals merkt er eben
allen Lug und Trug.

Ja, mach nur einen Plan,
sei nur ein großes Licht.
Und mach dann noch ‘nen zweiten Plan,
gehn tun sie beide nicht.
Denn für dieses Leben
ist der Mensch nicht schlecht genug.
Doch sein höh´res Streben
ist ein schöner Zug.

Ja, renn nur nach dem Glück,
doch renne nicht zu sehr.
Denn alle rennen nach dem Glück,
das Glück rennt hinterher.
Denn für dieses Leben
ist der Mensch nicht anspruchslos genug.
Drum ist all sein Streben
nur ein Selbstbetrug.

Der Mensch ist gar nicht gut,
drum hau ihn auf den Hut.
Hast du ihn auf den Hut gehaut,
dann wird er vielleicht gut.
Denn für dieses Leben
ist der Mensch nicht gut genug.
Darum haut ihn eben
ruhig auf den Hut.

Wirr …

Wirr sind die Gedanken in meinem Kopf, saugen mich aufs. Stimmen überall, hört auf!

Wirr ...


Ich will kann nicht mehr!

Wirr ...

Gestaltung + Illustration Jürgen Bohl
Fotos Thomas Bourry (Flickr.com)

Irren

irren01
Nachdem Claus Dieter Geissler die Stills abgelichtet hatte, sandte er eine Variante als Postkarte an einen befreundeten Art Director. Der warf einen kurzen Blick darauf – und sah nur einen seltsam drapierten Slip. Erst als seine kleine Tochter ihn fragte „Fotografiert der eigentlich nur Totenköpfe?“ erkannte er das Motiv. Und schämte sich sehr …

irren02

Text Christa Becker
Design Jürgen Bohl
Fotos
Claus Dieter Geissler

irren_07

irren_01irren_02irren_03irren_04irren_05irren_06irren_08 Fotoserie Claus Dieter Geissler

« Älterer Artikel

magazinXY

Begonnen hat unser Projekt als Online-Magazin, fortgesetzt wird es als Blog. Dabei bleiben wir unserem Prinzip treu: Ein Begriff prägt die Themenauswahl der jeweiligen Ausgaben. Ein Begriff, den wir in seiner Tiefe ausleuchten und der damit zu immer neuen sprachlichen und gestalterischen Deutungen einlädt.

Kategorien

irren
Novmeber
schwarz+weiß
Goodbye
geteert und gefedert
Schneewittchen
Fundstücke
Heimatkunde


Login

Letzte Besucher
Powered by Sociable!